Wen habe ich vor mir sitzen?

Heinz Neumann

 

Heinz, bist du in Köln geboren?

Ja.

 

Wo und wann?

Ich bin am 01.07.1949 in Köln Lindenthal geboren

 

Hast du dein ganzes Leben in Köln gewohnt? Oder bist du mal außer Haus gewesen?

Ich war ganz oft außer Haus. Ich bin schon mit ungefähr 3 Jahren durch meine Eltern nach Spanien gekommen, hab da 3 Jahre verbracht. Ich habe dadurch natürlich auch die Sprache mit aufgesogen. Ich bin dort allerdings in eine deutsche Schule gegangen und dann aber wieder zurück nach Deutschland gekommen. Wir haben dann eine Zeitlang in Karlsruhe gewohnt sind dann aber ins bergische gezogen, weil mein Vater dort einen Job hatte. Ich bin dann mit 17 endlich von Zuhause ausgebüchst, weil ich es nicht mehr ausgehalten hatte und zu meinem Großvater nach Karlsruhe. Ich habe dort eine Ausbildung als Schaufenstergestalter gemacht. Ich wollte eigentlich immer Schauspieler werden, aber mein Vater hat immer gesagt: „Schauspieler, sind entweder schwul oder Hungerleider.“ Er hat in beidem Unrecht behalten.

 

Ja und dann bin ich von dort aus nach Frankfurt gezogen und in Frankfurt habe ich einfach als Requisiteur am Opernhaus ne Weile gearbeitet, währenddessen aber auch meine Ausbildung als Schauspieler gemacht. Danach bin ich von dort aus nach Dortmund gezogen und habe dort das Kinder- und Jugendtheater mit aufgebaut. Wir waren damals sehr politisch und wollten den Jugendlichen nicht irgendwelche Märchen erzählen, sondern sagen: „Ja ne, das Leben ist ein bisschen anders. Traut nicht jedem der euch irgendwas erzählt, sondern bildet euch euer eigenes Urteil.“ Das war auch mir eine gute Lehre fürs Leben. Von dort aus habe ich meine Frau kennengelernt, die lebt in Köln, da dachte ich mir „Wäre ja schon schön nach Köln zu ziehen“. Das habe ich dann gemacht.

 

Wie alt warst du dann?

Da war ich fast um die 40 so, Ende 30 bestimmt. Da habe ich meine Kinder in die Welt gesetzt. 2 Wunderbare Mädels, Zwillinge.

 

Wo hast du gewohnt zu der Zeit?

In Köln Sürth haben wir zusammengewohnt. Wie das mit Ehen so ist, „hat nit immer jot jejangen“. Dann bin ich von dort aus nach Rodenkirchen gezogen. Beziehungsweise habe ich eine Interimszeit in der alten Leder Fabrik gehabt, das war oder ist immer noch eine alte Künstlerkolonie. Ich habe da in den alten Fabrikhallen gehaust, dort habe ich dann auch noch ein ganz anderes anarchisches Leben kennengelernt. Damals hat man das erfolgreich Ausgebaut, für mehrere Künstler, da war ich aber schon weg.

Ich brauchte dann auch wieder was Bürgerliches, habe mir dann die Wohnung in Rodenkirchen angeschaut, bin da eingezogen. Die habe ich mir vor 3-4 Jahren dann mehr oder weniger zwangsweise unter den Nagel reißen müssen. Der Vermieter hat gesagt „Ich muss das Ding verkaufen, ich verkauf dir die.“ Er hat Sie mir für nen guten Preis angeboten, ich habe das dann mit der Sparkasse gemacht. Die Wohnung gehört nicht mir, sondern denen. Nur das es alle wissen 😉

 

Was verbindet dich mit Köln, gibt’s da Verbindungspunkte, wegen denen du sagst: „Das ist der Grund warum ich hier lebe.“

Ich habe natürlich eine Verbindung zu Köln, ich kriege Tränen in den Augen bei den kölschen Liedern das finde ich einfach wunderschön, auf der anderen Seite finde ich so ein übertriebenes Heimatgetümel eigentlich fast übel. Da denke ich mir das ist eine komische Selbstverliebtheit, das liegt mir nicht. Ich mag Köln, es ist eine verhältnismäßig tolerante Stadt. Hier gibt’s natürlich genauso viele Arschlöcher wie woanders auch, aber im Großen und Ganzen ist es eine Stadt, die sich bemüht tolerant und offen zu sein. Ich fühl mich hier einfach wohl. Es war für mich ein schönes Gefühl nach so langer Zeit wieder in der Heimat zu sein und zu sagen: „Kölle ist schön.“  Wobei ich mir auch gut vorstellen kann, ist eine Geschichte, die mir nie aus dem Kopf geht. Ich bin in den 70er jahren zu einer Freundin nach New York geflogen und hab mir gedacht: „Was ist das für eine Wahnsinns Stadt.“ Und hab das Gefühl gehabt, wenn du jetzt hier einen Job hättest würdest du dich auch hier wohl fühlen. Ich bin nicht gefesselt an einen bestimmten Punkt. Oder Buenos Aires, da habe ich meine Tochter besucht und hab das Gefühl gehabt „Boah ist eine tolle Stadt.“ Der Vorteil ist das ich Englisch und Spanisch kann. Das ist natürlich eine Vorrausetzung das man sich dort verständigen kann.

 

Köln ist jetzt also kein starker Magnet, sondern man lebt hier einfach gerne?

Genau, man lebt gerne. Ich leb sehr sehr gerne hier Es gibt hier ein großartiges kulturelles Angebot, auch wenn ich es nicht immer wahrnehme. Aber zu wissen das es da ist, ist schon ein tolles Gefühl. Der Rhein gibt auch ein internationales Gefühl, es fließt alles und viele Gäste aus aller Welt kommen hierher.

 

Würdest du dich als Kölner bezeichnen? Gibt es Kölner Menschen, und würdest du dich so bezeichnen?

Ja.. mhh… also klar natürlich bin ich Kölner, aber mir wird’s schlecht, wenn man Köln immer sofort gleichsetzt mit „Tä Tärä Tätä“ das finde ich ekelhaft. Ich bin kein Karnevalist.

 

Ja oder mit Kölsch.

Genau Köln ist ja nicht nur das, Köln, das ist ja auch eine Haltungsfrage.

 

Kannst du die Haltung nochmal beschreiben?

Das hat mit Toleranz zu tun, nicht umsonst hat Köln den größten Anteil an schwulen, oder die größte Moschee Europas. Der größte Teil der Kölner sieht das tolerant. Ich finde das schon seit ich Kind bin, das man verschiedene Religionen einfach respektieren muss. Der Moslem ist genauso wertvoll wie der Christ. So ist die Toleranz im Großen und Ganzen in Köln gegeben.

 

Was gibst du Köln?

Ich glaub die Art und Weise wie man lebt, dass man diese Toleranz auch selbst mitträgt. Wenn ich irgendeinem Fremden begegne, das man Ihm zeigt, dass Toleranz etwas Wichtiges ist, das es schön ist in so einer offenen Stadt zu leben und das dann zu multiplizieren. Ich habe eine Zeit lang auch als Dozent für eine Theatergruppe gearbeitet, denen habe ich auch immer gesagt: „Habt keine Angst davor euch zu zeigen und seid Stolz darauf das Ihr es seid. Das wäre was ich vielleicht Köln geben kann.