Hallo Sarah, wie heißt du komplett, wie alt bist du und wo kommst du her?

Also mein Name ist Sarah Moujtahid, ich bin 39 Jahre alt und bin 2000 nach Köln gezogen, nachdem ich in Solingen geboren und aufgewachsen. Ich bin nach Köln gezogen für eine Ausbildung zur Hotelfachfrau.

Soll ich ein bisschen erzählen?

 

Ja gerne.

Für mich war nach dem Abitur klar, ich will eine Ausbildung machen im Hotel und in die Stadt wo ich einen Ausbildungsplatz bekomme, ziehe ich auch. Ich wollte nicht in Solingen bleiben und habe mich also auch in Solingen nicht wirklich beworben. Bekommen habe ich einen Ausbildungsplatz dann in Düsseldorf. Ich musste da zum Vorstellungsgespräch, habe dann so ein Assessment Center mitgemacht, da wurden wir tagelang getestet und dann habe Ich den Platz da dann bekommen.

Habe den Vertrag auch unterschrieben dann aber noch ein paar Woche später eine Einladung zum Gespräch bekommen hier in Köln, vom Dom Hotel. Das gibt es inzwischen ja garnichtmehr. Weil ich sowieso lieber nach Köln ziehen wollte bin ich trotz der Stelle noch nach Köln gegangen und habe auch die Stelle dann bekommen und in Düsseldorf gekündigt. War dann auch froh, dass ich nicht nach Düsseldorf ziehen musste. *lacht*

 

Köln war also eine Entscheidung aus dem beruflichen heraus, aber auch eine Fügung das du dann hier gelandet bist?

Ja genau aber auch ein bisschen Zufall.

 

Kannst du uns dein Gefühl beschreiben? Was gibt dir Köln? Wie fühlt es sich an hier zu wohnen?

Am Anfang war es für mich eine absolute Offenbarung. Also in Köln konnte ich ich sein, ich habe Weite gefühlt, viel mehr Akzeptanz. Es hat sich nach Freiheit für mich angefühlt, letztlich ist es auch immer bei dem Gefühl geblieben. Ich wohne jetzt seit 20 Jahren hier, habe zwischendurch ein Jahr in Italien gewohnt, bin dann aber von dort wieder zurück nach Köln gezogen. Da ich total ungebunden bin, nicht leiert, keine Kinder stelle ich mir schon immer mal wieder die Frage „Willst du denn noch hier sein?“ und es ist immer ein „Ja“ geworden.  Inzwischen ist es so, dass ich denke: „Ich hätte schon Lust auch mal längere Zeit woanders zu sein. Allerdings auch im Ausland und nicht in Deutschland, woanders, ich werde das wohl auch angehen, aber Köln ist meine Hometown, mein Zuhause. Wenn ich in Deutschland lebe möchte ich in Köln leben. Also es fühlt sich für mich wie Zuhause an.

 

Kannst du das Zuhause noch ein bisschen umschreiben? Du hattest ja vorhin schon angesprochen: du durftest und darfst Du sein, woran liegt das?

Ich glaube in Köln gibt es einfach eine große Vielfalt von Menschen mit unterschiedliche Gesinnungen, Aussehen, Alter usw. Das ist für mich wie eine Erlaubnis all das zu sein, was halt auch in mir drin ist. Weil es diese große Akzeptanz gibt. In Solingen hatte ich immer das Gefühl ich bin anders. Ein großer Teil der Leute denkt auch gleich, wie mit so Scheuklappen. Hier in Köln erlebe ich das ganz anders: Dadurch das hier viel Vielfalt ist passe ich hier gut rein. Hier bin ich kein Außenseiter. Sondern eine von vielen: Jeder Jeck is anders. Es stimmt so oft.

 

Sehr schön. Was gibst du Köln? Wie färbst du diese Stadt mit?

Das ist eigentlich sehr viel, schwierig das runterzubrechen.

 

Ganz viel reicht ja schon *lacht*.

Ich mache Poesie, Lesungen, Traumreisen, energetische Sitzungen. Das sind ja handfeste Sachen, also in Anführungszeichen *lacht*. Aber was wirklich mein Beitrag ist tatsächlich, ich bin sehr mit meinem Wachstum unterwegs, also spirituelles Wachstum. Ich erfahre mich immer wieder neu und das teile ich auch. Das ist etwas was ich nicht isoliert mache, sondern in Köln und mit Kölnern. Also jede Begegnung führt mich wieder irgendwo hin. Ich bringe eine Offenheit mit und mit dieser Offenheit gehe ich auf die Menschen zu und berühre wieder bei meinem Gegenüber etwas. So dass ich.. ich wachse in Köln und Köln wächst mit mir. Das findet auch viel im Kleinen statt, in der Bahn wenn man jemandem die Tür aufhält. Das sind so Alltags Momente wo ich das Gefühl habe so funktioniert das miteinander hier.

Ganz extrem fühle ich das natürlich an Karneval, wobei das eigentlich kein gutes Beispiel ist. Viele sind dann auch betrunken und trauen sich dann mehr offen zu sein. Es gibt aber die Menschen, die im Alltag offen miteinander umgehen. Die öffnen mich ja auch wieder ein Stück weit, wenn ich mal nicht gut drauf bin und mir begegnet so jemand der gerade die Kapazitäten hat. Das ist dieses Geben und Nehmen und aneinander zu wachsen. Was ich mitbringen ist der Wille dazu. Das spiegelt sich auch in meiner Poesie wieder, in der ich mich offenbare und das berührt die Menschen, das ist Leben.

 

Ist die Poesie auch aus dem Kontakt zu Köln entsprungen? Oder warst du auch früher schon damit in Kontakt?

Ich habe mit 18 oder 19 angefangen zu schreiben, habe das aber nie für beachtenswert empfunden oder wertvoll. Köln und mein Umfeld hier haben schon dafür gesorgt, dass ich mich getraut habe das auch mal jemand anderem zu zeigen. Das war viel später, ende 20 oder sowas war das erst. Ich weiß noch, da war ich mit meiner Kölner WG im Cafe Storch, die haben montags immer Poeten Stunde, von 10:00 – 11:00 und da habe ich mich zum allerersten mal getraut 3 Gedichte vorzulesen, in der Öffentlichkeit. Dafür musste Ich meine Limo nicht bezahlen *lacht*, dafür das ich gelesen habe. Das fand ich großartig. Das war für mich wie ein Coming-out: Ich kann mich trauen das zu tun.

 

Gibt es noch etwas das du mitteilen möchtest?

An die Kölner?

 

An die Welt die sich für Köln interessiert.

Ja ich glaube ich würde gerne mitgeben, dass es wertvoll ist sich zu zeigen. Köln fängt einen immer wieder auf!

 

Super, Ich danke dir Sarah!